Gewinnerinnen
und Gewinner
2026
Es freut uns, die Gewinner:innen des TruePicture Förderprogramms 2026 und der zwei TruePicture Honorable Mentions bekannt zu geben.
Die fünf Gewinner:innen der «TruePicture Awards» erhalten je einen Projektbeitrag von 15’000 Schweizer Franken für die Umsetzung ihrer Projektideen. Zusätzlich werden sie während der 18-monatigen Arbeit an ihren Fotoreportagen von TruePicture mit Fachwissen und Mentoring unterstützt.
Die zwei Honorable Mentions erhalten je 2’500 Schweizer Franken als Würdigung ihrer bisherigen Arbeit.
Die hier gezeigten Portfolios repräsentieren nicht die Projektideen. Sie geben einen Einblick in das bisherige Schaffen der Fotograf:innen.
Hannah Aders
(TruePicture Award)

A última nuvem der Fotojournalistin Hannah Aders (*1993) dokumentiert den rasanten Ausbau von KI- und Rechenzentrumsinfrastruktur in Lateinamerika. Internationale Technologiekonzerne investieren Milliarden in neue Datencenter, wodurch bestimmte Regionen zu zentralen digitalen Knotenpunkten Lateinamerikas werden. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Energie und Wasser erheblich und belastet lokale Ökosysteme und Gemeinschaften.
Die fotografische Arbeit richtet den Blick auf die Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind – insbesondere indigene Gemeinschaften und ländliche Bevölkerungsgruppen. Ihre Perspektiven eröffnen eine kritische Auseinandersetzung mit den ökologischen und sozialen Folgen der digitalen Transformation.
Jessica Dreier
(TruePicture Award)

Die Fotojournalistin Jessica Dreier (*1997) untersucht in ihrem Projekt «Margem Sul» die Peripherien Lissabons und dokumentiert, wie die Wohnkrise insbesondere jene Gemeinschaften betrifft, die durch Gentrifizierung an den Rand gedrängt werden. Das Projekt begleitet Bewohnerinnen und Bewohner sowie Aktivistinnen und Aktivisten, die sich gegen Verdrängung wehren und ihre Stimmen hörbar machen. Es analysiert, wie Portugals koloniale Vergangenheit gegenwärtige Ungleichheiten prägt, und macht strukturellen Rassismus sowie Klassenspaltungen sichtbar, die weitgehend im Verborgenen bleiben.
Nerea Lakuntza
(TruePicture Award)

Über Jahrzehnte wurden in Spanien tausende Neugeborene ihren Familien entzogen. Ihren Müttern wurde häufig mitgeteilt, die Kinder seien bei der Geburt gestorben. Tatsächlich wurden viele von ihnen heimlich an andere Familien weitergegeben. Schätzungen zufolge waren zwischen 1939 und den 1990er Jahren bis zu 300.000 Kinder von diesem System betroffen, das seinen Ursprung in der Repression des Franco-Regimes hatte und sich zu einem Netzwerk aus Identitätsraub und illegalen Adoptionen entwickelte.
Die Fotojournalistin Nerea Lakuntza richtet ihren Fokus auf Betroffene, historische Orte und Archivmaterial und verdichtet die Geschichte zu einer visuellen Recherche über Erinnerung, Verlust und Identität.
Julius Schien
(TruePicture Award)

Der Fotojournalist Julius Schien (*1992) widmet sich in seinem Langzeitprojekt «DEUTSCHER HASS» den historischen Wurzeln von Rassismus, Ausgrenzung und rechter Gewalt in Deutschland. Ausgehend von der Frage, ob diese Phänomene allein aus der NS-Zeit hervorgegangen sind oder tiefer in der deutschen Geschichte verankert liegen, verfolgt das Projekt die Entwicklung von Ideologien der Entmenschlichung vom Imperialismus über den Nationalsozialismus bis in die Gegenwart.
Florian Sulzer
(TruePicture Award)

Inseln im Pazifik drohen durch den steigenden Meeresspiegel weitgehend unbewohnbar zu werden. Für die betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner besteht mit speziellen Abkommen die Möglichkeit, in andere Staaten auszuwandern und ein neues Leben zu beginnen.
Die Langzeitreportage «Paradiese im Untergang» des Fotojournalisten Florian Sulzer begleitet Auswanderer auf ihrem Weg: vom Abschied von ihrer Heimat über die Migration bis zum Neuanfang. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Identität, Heimatverlust und der Zukunft einer Gesellschaft, deren Lebensraum langsam verschwindet.
Anna Arnet
(Honorable Mention)

Essen ist lebensnotwendig – und doch entwickeln Millionen Menschen ein schmerzhaftes Verhältnis zu genau dem, was sie am Leben hält. Essstörungen gehören zu den stillsten Krankheiten unserer Zeit. Sie bleiben oft unsichtbar, während Betroffene täglich mit Kontrolle, Angst, Scham und Hoffnung kämpfen.
Die Fotojournalistin Anna Arnet begleitet in ihrer Fotoreportage Menschen, die mit Essstörungen leben. Im Mittelpunkt stehen ihre Lebensrealitäten, die Räume ihres Alltags und die unsichtbaren Konflikte, die sie begleiten.
Jonathan Labusch
(Honorable Mention)

Das Langzeitprojekt des Fotojournalisten Jonathan Labusch (*1993) erzählt von Menschen, die entlang der Grenze zwischen Libanon und Israel leben und von allen Seiten zwischen die Fronten geraten. Es untersucht Fragen von Heimat, Identität, Zugehörigkeit und Sicherheit – in einer Region, in der politische Entscheidungen und militärische Konflikte das Leben ganzer Familien bestimmen.
Jurybericht
2026
Zum fünften Mal hat TruePicture, das Förderprogramm für junge Fotojournalistinnen und Fotojournalisten, 2026 die begehrten «TruePicture Awards» sowie zwei Honorable Mentions verliehen. Das Interesse am Programm ist weiterhin hoch: 12 Nominator:innen haben 33 Talente aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ermittelt. Im Unterschied zu herkömmlichen Fotopreisen prämiert TruePicture nicht bereits realisierte Reportagen, sondern die Originalität und gesellschaftliche Bedeutung von Projekten, die erst noch umgesetzt werden sollen.
Die Jury, der nebst Manuel Bauer auch Nicole Aeby, Bildredaktorin der NZZ, und Sarah Girard, ehem. Direktorin der Bieler Fototage und Verwaltungsrätin Le Temps, angehören, wählte in einem mehrstufigen Auswahlverfahren die sieben Gewinner:innen (5 TruePicture Awards, 2 Honorable Mentions).
«Die ausgezeichneten Reportagen-Projekte legen den Finger auf soziale Brennpunkte und überzeugen durch die hohe Qualität der Bildsprache», sagt Jury-Mitglied Sarah Girard.